Drittmittelprojekte

Die elementaren Diskurse der Gabe. Marcel Mauss‘ paradigmatische Wirkung auf die gegenwärtigen Sozial- und Kulturtheorien
Projektzeitraum:
01.01.2005 bis 01.01.2009

Projektleitung:
Prof. Dr. habil. Stephan Moebius

Mitwirkende:
Frithjof Nungesser, M.A.

Institution:
Max-Weber-Kolleg für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien

Drittmittelgeber:
DFG

Internetlink:
-

Kurzbeschreibung
Das Projekt behandelt die soziologiegeschichtliche Wirkung von Marcel Mauss (1872-1950) und die in seinem berühmten Essay über die Gabe (1925) angelegte allgemeine Theorie der Verpflichtung und Besessenheit. Der Neffe und Schüler des französischen Soziologen Emile Durkheim prägte nach dem Ersten Weltkrieg nachhaltig die französische Soziologie, begründete in der Zwischenkriegszeit die Ethnologie in Frankreich und inspirierte mit seinem Werk unterschiedliche, auch gegenwärtig relevante sozial- und kulturwissenschaftliche Theorien. Die Bedeutung des Denkens von Mauss auf zentrale Theorien und Thematiken der Geistes- und Sozialwissenschaften wurde bislang weder in Frankreich noch in der internationalen Forschung umfassend untersucht. In einem ersten Projektteil, der an der Universität Freiburg bearbeitet wurde, wurden bereits Mauss’ Denken in dem real-, soziologie- und wissenschaftsgeschichtlichen Kontext verortet, die für ihn selbst formenden Einflüsse herausgearbeitet, seine zentrale Rolle für die Institutionalisierung der Durkheim-Schule untersucht und seine politischen Schriften und Aktivitäten vorgestellt. • Publikationen dazu: Marcel Mauss, Konstanz: UVK 2006; Gift – Marcel Mauss’ Kulturtheorie der Gabe (mit C. Papilloud), Wiesbaden 2006; Die sozialen Funktionen des Sakralen. Marcel Mauss und das Collège de Sociologie. In: Moebius/Papilloud (Hrsg.): Gift – Marcel Mauss’ Kulturtheorie der Gabe. Wiesbaden 2006, S. 57-80; Intellektuelle Kritik und Soziologie. Die politischen Schriften von Marcel Mauss. In: S. Moebius/G. Schäfer (Hrsg.): Soziologie als Gesellschaftskritik. Festschrift für Lothar Peter, Hamburg 2006, S. 142-160; Die Gabe – ein neues Paradigma der Soziologie? Eine kritische Betrachtung der M.A.U.S.S.-Gruppe. In: Berliner Journal für Soziologie, Heft 3/2006, S. 355-370. Bei dem aktuell bearbeiteten zweiten Projektteil, der am Max-Weber-Kolleg bearbeitet wird, stehen sowohl die disziplinären als auch interdisziplinären Wirkungen sowie handlungstheoretische und wertkonstitutive Implikationen des Mauss’schen Denkens im Vordergrund. Die Analyse der Wirkungsgeschichte von Mauss soll sich dabei auf zwei Dimensionen beziehen: Zunächst soll das Feld der Mauss-Rezipienten den einzelnen Fachdisziplinen zugeordnet werden. Behandelt werden hier die Soziologie, die Ethnologie und die Philosophie. Innerhalb und zwischen den Fachgrenzen werden dann bestimmte Diskurszusammenhänge des Gabe-Denkens aufgedeckt. Diese Diskurszusammenhänge entstehen aus den an Mauss’ Denken unmittelbar anschließenden und in mehreren Generationen geführten Debatten zwischen Vertretern anti-utilitaristischer, symbolisch-strukturalistischer und kreativ-schöpferischer Positionen und Denktraditionen, die in der zweiten Generation in einer praxeologischen bzw. erfahrungs- und handlungsbezogenen Programmatik konvergieren. Die Forschungen sollen zum einen zur Verbreitung des kulturtheoretischen und praxeologischen Paradigmas der Gabe beitragen. Zum anderen sollen sie deutlich machen, dass in der Rezeption des Gabe-Theorems die für das Verständnis der Gabe konstitutive Fremderfahrung der Besessenheit, der Ergriffenheit und Selbsttranszendenz kaum Erwähnung findet. Untersucht werden soll, welche handlungstheoretischen und wertkonstitutiven Implikationen die Erfahrungen des Ergriffenseins haben. Die Bearbeitung des Projekts wird durch eine DFG-finanzierte Mitarbeiterstelle unterstützt. Mitarbeiter ist Frithjof Nungesser, M.A. • Bereits verfasste Publikationen zum zweiten Projektteil: "Gaben der Anerkennung. Integrationstheoretische Potenziale der Kulturtheorien nach Marcel Mauss". (erscheint in "Sociologia internationalis"); "Die elementaren (Fremd-)Erfahrungen der Gabe. Sozialtheoretische Implikationen der Kultursoziologie der Besessenheit von Marcel Mauss und des »radikalen Durkheimismus« des Collège de Sociologie" (eingereicht bei: Berliner Journal für Soziologie); "Entwurf einer Theorie der Praxis aus dem Geist der Gabe. Die Praxistheorie von Marcel Mauss und ihre Wirkungen". In: Festschrift für Bernhard Giesen: Erleben, Erleiden, Erfahren: Zur Konstitution sozialen Sinns jenseits instrumenteller Vernunft (hrsg. von K. Junge, D. Suber, G. Gerber), Bielfeld: transcript 2008.

» Zurück
Sektion 'Politische Soziologie' der Deutschen Gesellschaft für Soziologie